Adire – die Färbekunst der Yoruba
Wer durch die Märkte im Südwesten Nigerias läuft, kommt an Adire nicht vorbei. Die Stoffe leuchten in kräftigen Farben, und jedes Muster ist ein bisschen anders. Adire ist die traditionelle Färbekunst der Yoruba, und der Name bedeutet so viel wie „binden und färben“.
Ihre große Blütezeit hatte Adire Anfang des 20. Jahrhunderts, vor allem in Städten wie Abeokuta und Ibadan. Damals wurde fast ausschließlich mit Indigo gefärbt, und es waren vor allem Frauen, die dieses Handwerk beherrschten und weitergaben. Die Muster entstanden durch Abbinden, Vernähen oder durch eine Paste aus Maniokstärke, die die Farbe an bestimmten Stellen abhielt.
Heute ist in Nigeria vor allem die farbenfrohe Variante beliebt, die dort Kampala genannt wird. Dabei wird Wachs auf den Baumwollstoff aufgetragen oder der Stoff abgebunden, und dann wird er in mehreren Durchgängen in verschiedenen Farben gefärbt. Wo das Wachs sitzt, bleibt der Stoff frei. So entstehen die typischen Muster mit ihren feinen Rissen und Farbverläufen. Weil jedes Stück von Hand gefärbt wird, gleicht kein Meter dem anderen.
Unsere Adire-Stoffe kommen aus Lagos, wo sie vor Ort für uns ausgesucht wurden. Jeder Stoff trägt bei uns einen Yoruba-Namen, denn jeder hat seinen eigenen Charakter. Ayodele bedeutet zum Beispiel „die Freude ist nach Hause gekommen“, Olufemi „Gott liebt mich“ und Yetunde „die Mutter ist zurückgekehrt“.
Frisch ist Adire oft etwas fest. Das gehört zur Handfärbung und gibt sich nach den ersten Wäschen. Dann wird der Stoff weich und eignet sich wunderbar für Kleider, Blusen, Taschen oder Kissen. Die Festigkeit und das leichte Relief entstehen bei der traditionellen Verarbeitung (mit Mangeln oder Holzschlegeln) und geben sich nach den ersten Wäschen